Wo ist die Wut?

In Zeiten wie diesen sehe ich viele Menschen, wie sie individuell aber auch gemeinsam mit dem Thema CORONA umgehen:

  • Sie sind verängstigt
  • Sie sind verärgert
  • Sie fühlen sich sicher
  • Sie sehen das alles nicht so schwarz
  • So ist das halt eben
  • Wird schon wieder
  • Die tun doch alles für uns
  • Aber die haben doch gesagt…
  • Sie machen alles mit ohne In-Frage-Zu-Stellen
  • Sie hamstern
  • Sie bleiben unter sich
  • Sie informieren sich – jeder auf seine Weise
  • Sie wollen nichts mehr hören
  • Sie kommen sich näher
  • Sie bleiben auf Abstand

Viele Menschen bewegen sich nur und ausschließlich noch unter ihresgleichen, meiden Anders-Denkende, wollen aufklären und wollen nicht aufgeklärt werden.

Viele Menschen, die den Spuk meinen zu durchschauen, sich organisieren, aufwecken möchten, oder doch zumindest aufklären, begegnen dem Konfrontationspunkt mit Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Behutsamkeit, Toleranz, Akzeptanz, Liebe und offenem Herzen.

Das ist edel!

Sie singen, tanzen, meditieren, versammeln sich zu aufklärerischen Veranstaltungen, um sich selbst mehr Mut zu machen als sie in Wirklichkeit haben.

Wie viele von ihnen gehen dennoch mit Maske einkaufen, einfach, weil es aus vielen Gründen einfacher ist anstatt sich täglich und immer wieder den Anfeindungen, Spott, würdelosen Bemerkungen und direkten Hass entgegenzustellen?

Ich kann das verstehen – dafür braucht sich niemand zu schämen.

Sie argumentieren in Chatrooms, treffen sich in Channels, in denen sie Informationen mannigfachster Art austauschen, sind vereint in Foren unterschiedlichster Coleur, geben sich Mut durch viele Daumen-Hochs und sind doch nur ein Abklatsch der „anderen Seiten“, wo es genauso ab geht wie bei ihnen selbst.

Aber selbst dort, in diesen erwähnten Lokationen, herrscht ein liebevoller Umgang, Verständnis für Andersdenkende, der Geist des Vergebens und das Selbstverständnis zur Achtsamkeit einer jeden Kreatur gegenüber.

Ich bin auch dort, virtuell und in persona, bewege mich unter „meinesgleichen“, gehe auch hinaus in die böse Masse der „Mich-Ablehner“. Ich bin hier und dort. Ich versuche nur, mich als Mensch fortzubewegen – naiverweise immer noch glaubend, ich lebe in einem freien Land.

Ich bin nicht rechts, nicht links, nicht für Schwarze, nicht für Weiße, nicht für Veganer, nicht für Fleisch-Esser – und mit meinem Deutsch-Sein ist´s auch nicht weit her: ich habe schon alle Mühe damit, einfach nur Mensch zu sein.

Und als solcher Mensch bin aber auch fehlbar, fehlbar in allen Entscheidungen, die ich treffe, fehlbar in allen Vorurteilen, die ich beherberge aufgrund meiner eigenen Biographie, fehlbar in meinen Ansichten, die sich im Laufe meines Lebens bildeten, die ich aber vielfach viel zu spät als eine Manipulation meiner Person erkannte und die mich dennoch prägten.

Ich setze mich im Nachhinein damit auseinander, versuche zu erkennen, wo meine Schwachstellen waren, worin meine leichtgläubige Naivität lag, die mich nicht schützte, sondern manches Mal den Weg in die Verzweiflung steuern ließ.

Ich versuche, aus meinen Fehlern zu lernen – es das nächste Mal besser zu machen.

Und so stehe ich heute da du bin aktiv geworden, aktiv, wie ihr, wie jeder auf seine Weise.

Aber ich bin immer noch Mensch. Und als Mensch mache ich Fehler. Als Mensch werde ich von Gefühlen geleitet, ebenso, wie von meinem nicht immer wachen Verstand.

Ich sehe all die vielen Menschen mit ihrer Güte, mit ihrer Liebe, mit ihren offenen Herzen – und ich frage mich so oft, wie kriegen die das eigentlich hin, so zu sein?

Ein wenig neidisch darauf blicke ich in ihre fröhlichen, empathischen Gesichter und würde mir von ihnen allen gerne eine Scheibe abschneiden.

  • Denn so bin ich nicht!

Ich kann nicht liebevoll mit meinem Gegenüber umgehen, wenn er mir voller Hass und Misstrauen über seine Maske hinweg anstarrt und mich und meine Würde mit Füßen tritt!

Ich kann auch nicht empathisch auf die Menschen, die mich ablehnen, zugehen und mit ihnen auf liebevoller Weise in Kontakt treten.

Ebenso wenig kann ich mir von meiner Regierung etwas sagen lassen, was gegen allen gesunden Menschenverstand spricht und dann auch noch objektiv von vielen Experten, die kein Gehör finden, weltweit widerlegt wird.

Sorry, aber da packt mich die Wut!

Welche Anmaßungen auf allen Ebenen mir täglich begegnen und die in anfeindende Aggression über mich zusammenstürzen – du da soll ich Liebe meinem Nächsten gegenüber empfinden?

Sorry, aber wie macht ihr das?

Bin ich vielleicht doch ein schlechter Mensch, weil ich das nicht kann?

Ich bin eher am Verzweifeln, mich am zermartern, warum mir das nicht gelingt, warum ich diese „anderen“, die mir Böses wollen, ebenso hasse wie sie mich!

Was spiegeln mir diese Menschen? Ich weiß es nicht; ich empfinde an sich nur, dass sie mir ihre innersten Traumata spiegeln und wie sie gelernt haben, damit zu leben.

Doch ich bin weder Buddha noch Jesus – die meiste Zeit bin ich nur ein von diesen Menschen gekränkter Mensch, der sich immer öfter, mehr und mehr, auch in einen Spiegel für sie verwandeln will:

schlägt mir Ablehnung entgegen, will auch ich ablehnen; begegnet mir Angst, so fühle ich auch diese und bin ebenso ängstlich wie mein Gegenüber; lässt mich mein Gegenüber Wut spüren, so will auch ich wütend sein; und spüre ich blanken Hass, so will auch ich hassen!

Zu oft habe ich auch die andere Wange hingehalten, Verständnis aufgebracht und Mitgefühl; viel zu oft bin ich empathisch mein Gegenüber wertschätzend gegenübergetreten; allzu oft habe ich nur in mich selbst geschaut, um das Leid zu entdecken, das ich in mir trage –

Aber ich bin eben nur ein kleiner, unbedeutender und fehlerhafter Mensch, der nicht immer im Stande ist, das vermeidlich Richtige zu tun – schon gar nicht, wenn ich vielfach nicht einmal weiß, was das ist.

So bleibe ich allein mit mir und spüre meine Angst – und mein eigenes Leben hat mich eine Strategie entwerfen lassen, wie ich mich vor Angst schütze: durch Zorn und Wut!

…und ich bin wütend!

Ich bin so verdammt nochmal wütend über all das Leid, was in den letzten 5 Monaten über uns alle zusammengestürzt ist, so wütend über diese Machtlosigkeit, gegen Mauern zu rennen, wenn ich mit Menschen rede, die anscheinend auf einen anderen Planeten leben als ich, die mir nicht mal richtig zuhören, die ihre Sicht der Dinge haben und die im Allgemeinen nur denken, dass ich derjenige bin, bei dem nicht alles stimmt.

Ich bin so zornig auf meine Mitstreiter, die nur hohle Worte dreschend in Chatrooms versauern und sich gegenseitig hochpuschen anstatt hier bei uns zu sein: auf der Straße, dort, wo wir gesehen werden und wo wir ihre Unterstützung spüren würden!

Ich so maßlos enttäuscht über die Uneinigkeit derjenigen, die doch im Kern dasselbe meinen und wollen!

Ich kann es nicht in Worte fassen, was es mit mir macht, wenn ich sehe, dass wir nicht nur behandelt werden wie aussätzige schwarze Schafe, sondern uns auch noch so verhalten.

Ich alleine kann nichts ändern; ich kann die Welt nicht verändern.

Aber wir zusammen können die Faktenlage ändern, indem wir weiter auf die Straße gehen und laut sind.
Und wenn wir die Faktenlage ändern, ändern wir die Sichtweisen;
und wenn wir die Sichtweisen ändern, können wir das Ergebnis der nächsten Wahl ändern,
und wenn wir die nächste Wahl verändert haben, können wir die Welt verändern!