Gefühle, Stimmungen und Gedanken zum Corona-Wahn

Ich bin so leer – und doch so voll mit Dingen, die ich bis vor kurzer Zeit noch gar nicht beachtet hatte.

Und ich bin so müde; zu müde, um diese Dinge jetzt alle beim Namen zu nennen.

Und ich bin so befremdet über die Stimmung, die seit einiger Zeit in unserer Familie herrscht: sie ist nicht schlecht – aber eben auch nicht gut.

Ich vermisse unsere Unbeschwertheit, unsere spontanen Albernheiten, den Spaß, unsere kleine Erträglichkeit des Seins.

Irgendwie hängt immer diese dunkle Wolke über uns, ob beim gemeinsamen Essen, beim Einkaufen oder beim Planen eines möglichen nächsten Urlaubs.

Es macht keinen Spaß mehr – nichts mehr, alles ist besudelt von einem ekelhaften Mief, der einem sogar manches Mal den Appetit vergehen lässt.

Ich mag nicht mehr rausgehen, nicht mehr vor die Tür, nicht mehr einkaufen geschweige denn, mit meiner Frau in einem Bistro einen Kaffee trinken gehen – möchte mich nur noch verkriechen in mein Arbeitszimmer, um mich entweder tief in aktuelle Neuigkeiten bezüglich Corona und Co. zu stürzen, damit ich auf dem Laufenden bin oder mich dort in Bett zu legen und einfach zu schlafen, nichts mehr sehen und nichts mehr hören.

Diese scheinbare Normalität, wenn man Menschen draußen wuseln sieht, wie sie ihren täglichen Angelegenheiten nachgehen – und das Wissen, dass gerade jetzt eben überhaupt nichts normal ist.

Der REWE bietet jetzt als Knallerangebot Masken im Sparset an; die Kiddies überbieten sich, welche Maske cooler aussieht; es gibt sogar welche von Louis Vitton; es ist alles so normal, keinem fällt irgendetwas auf und niemand stört irgendwas.

Dann denke ich, dass ich selbst vielleicht das Problem bin.

Ja, das könnte sein!

Was stelle ich mich denn so an?

Früher hat mich ja auch alles nicht interessiert!

Ich habe mich um mich und meine Familie gekümmert und gedacht: Was soll´s. Passt schon irgendwie. Ich komme doch gut weg bei all dem Elend. Mir und meiner Familie geht´s doch gut!

Warum mache ich nicht einfach mit und gut ist´s?

Alles wäre leichter und einfacher.

„Lass´ einfach los“, danke ich, „lass dich treiben und schau, dass alles so bleibt wie es ist – für dich und deine Familie. Du kannst doch eh nichts machen! Oder willst du mal wieder die Welt retten? Mit 54!? Das hat ja früher auch so gut geklappt.“

Und dann wird mit bewusst, dass ich doch längst nicht mehr die Energie eines 20jährigen und mittlerweile einige Vorerkrankungen habe, die mich energietechnisch täglich ganz schön schlauchen. An sich kann ich mir einen zusätzlichen Energieaufwand gar nicht leisten. Ich muss gucken, dass sie noch reicht für mich, meine Familie, die Arbeit und das tägliche Erledigen der anfallenden Dinge im Leben.

Und jetzt auch noch Demos und Veranstaltungen ins Leben rufen, planen, organisieren, ausrichten und durchführen?

„Ne, lass´ mal“, denke ich oft.

…und dann fallen mir die Worte vieler Menschen ein, die sich dem momentanen Zustand einfach hingegeben haben:

„Es ändert doch eh nichts. Na, so schlimm ist´s auch nicht. Das ist doch alles nur zu unserem Besten. Da müssen wir nun durch. Das geht ja auch nicht ewig. Der 1. Und 2. Weltkrieg war schlimmer. Gott straft uns…“

…und dann kommt irgendwie wieder Energie zurück – nämlich in Form von Widerstand des Gesagten der anderen – und Wut!

Wut auf die anderen, die es sich so einfach machen, indem sie einfach nicht nachdenken, indem sie einfach so weitermachen, weil´s für sie OK ist – ohne zu sehen, wo´s nicht OK ist: z.B. bei den Schwächsten – bei unseren Kindern, bei unseren Alten – mal schauen, ob sich was regt, wenn die ersten Haustiere positiv getestet werden und was sie sagen werden, wenn dann möglicherweise eine einfache 2-wöchige Quarantäne nicht mehr ausreicht…

Ich kriege Wut auf´s System, auf die Menschen „da oben“, auf die Menschen, die sich an der Situation bereichern, auf die Fädenzieher, die das alles planten, auf alle Befehlsempfänger, dass sie nicht aussteigen, auf Unsresgleichen, wie sie nur Oberlehrer-schlau in Chatrooms wettern, aber den Arsch nicht auf die Strasse kriegen!

Ich werde wütend wegen der Ungerechtigkeit, der Unverschämtheit, der Gemeinheit, der Scheiss-Egal-Mentalität, dem Gehorsam, dem Sich-Fügen, des individuellen Egoismus!

…und auf einmal bin ich wieder wach und denke:

„Nein! Diesmal nicht! Diesmal bist du dabei! Diesmal tust du was! Diesmal machst du was! Egal was! Lass dir was einfallen! So nicht! Nicht mit mir! Ich lass mir das nicht mehr länger gefallen! Die können mich mal am Arsch lecken! Mein Leben gehört mir!“

…und schon sitze ich wieder am Computer und schreibe eine neue Rede für die nächste Veranstaltung, schaue nach, welche Freiheitslieder mich dabei zusätzlich noch stimmungsmäßig unterstützen können, auch wenn ich sie wieder aus GEMA-technischen Gründen selbst trällern werde…

Ich denke nach, wie ich das neue Plakat gestalte, um noch besser zum Ausdruck zu bringen, worum es geht.

Ich unterbreche mein Schaffen, um schnell noch das Formular für die nächste Veranstaltung auszufüllen und den Behörden zuzufaxen.

Und weiter geht´s: in die Chatrooms, mitdiskutieren, Infos abgreifen und Infos teilen, in die Foren, wo´s noch mehr und ausführlichere Infos gibt, schnell noch nach YouTube, denn dieses und jenes Video musst du unbedingt gucken, da spricht xy, aber richtig cool, die Info, dann noch schnell auf Facebook, alles aktualisieren und was Neues posten, damit die 6 Leute, die mir folgen sehen, dass ich noch voll dabei bin, schnell dann zu TELEGRAM, oh Gott, insgesamt 478 neue Nachrichten auf meinen privaten, öffentlichen 29 Kanälen und Gruppen.

Huh, es wirbelt schon wieder richtig in meinem Kopf, brauche Ruhe, widme mich wieder meinen Text für die Veranstaltung, bringe dort die neuen Infos unter, wenn´s passt.

Sind eigentlich noch genug Kabelbinder und Info-Flyer da?

Das Telefon klingelt: meine Frau! Wir können dann jetzt essen.

Ich lasse alles liegen und stehen und gehe hoch. Corona muss jetzt warten…