Die Pandemie verändert unser Leben

Corona und Covid-19 erschüttern die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Miteinanders – auf unbestimmte Zeit. Wir erleben ein unkontrollierbares Kollabieren unseres Alltags und der Welt, wie wir sie kannten.

Jetzt, nach einem guten halben des Hin und Hers widersprüchlicher Aussagen der Regierung und der sie beratenden Organisationen wie die WHO und das RKI, wissen wir immer noch nicht, woran wir sind.

Doch wie geht es weiter? Welche Entwicklungen können wir erwarten? Wie wird das Virus unsere Kulturtechniken, Werte und Konsummuster, unser kollektives Miteinander verändern?

Wir erinnern uns: Am Anfang war der Shutdown – und der Shutdown entwickelt sich immer mehr zur „Neuen Normalität“. Mittlerweile ist es normal, in Bus und Bahn und allen Geschäften eine Maske zu tragen, ganz gleich, ob sie schützt oder nicht. Es ist auch normal geworden, im Freibad beim Schwimmen in der Spur zu schwimmen, nicht mit anderen im Wasser reden und selbst dort, im Wasser, Mindestabstand zu halten. Es ist normal, seine kompletten Kontaktdaten im Cafe zu hinterlassen. Es ist normal, von seinen Mitmenschen geradezu in Blockwartmanier zurechtgewiesen zu werden, wenn man keine Maske aufhat – egal, ob man ein Attest hat oder nicht; das interessiert keinen – nur, ob man diese verfluchte Maske aufhat. Bald wird es normal sein, beim Betreten der U-Bahn den Chip im Handgelenk zu scannen oder sich vor dem ersten Date gegenseitig die Gesundheitsdaten zu schicken. Es wird normal werden, bei der Ausreise eine Genehmigung zu brauchen, für Länder außerhalb der EU muss sogar ein langwieriges Visumverfahren durchlaufen werden.

Das Virus hat die Welt ins Taumeln gebracht, und sie kommt nicht mehr heraus. Durch Angst als Waffe hat unsere Regierung uns in den Wahnsinn getrieben, eine ganze Gesellschaft in der Paranoia eines Virus, der im Vergleich zu einer starken Influenza, die uns alle paar Jahre erwischt, geradezu harmlos für den Großteil der Bevölkerung – nämlich für über 99% aller Bewohner! – ist.

Eine Rückkehr zu den gewohnten Routinen ist nicht mehr möglich. Die Sorge vor einer erneuten Pandemie macht jede noch so kleine lokale Verbreitung eines Virus zum Auslöser drastischer Maßnahmen, von Grenzschließungen bis zur Ressourcenverteidigung. Das verlorengegangene Vertrauen in eine solidarische Gesellschaft, deren höchstes Gut das Grundgesetz sein sollte, spiegelt sich immer mehr in der Zerrissenheit und Spaltung seiner Bürger.

Jeder Mensch ist sich selbst der nächste, und der Staat setzt alle verfügbaren Mittel ein, um die Bürgerinnen und Bürger zu beschützen – auch, und gerade dadurch, indem er tiefliegende Ängste schürt.

Was mit Empfehlungen begann, Großveranstaltungen über 1000 Personen abzusagen, wird sich nach der zu erwartenden zweiten Welle, die ja immer und immer wieder erneut herbeigeredet wird, zu einem Verbot von Versammlungen mit über 10 Personen entwickeln, zum Wohle der Menschen. Das öffentliche kulturelle Leben wird daher fast komplett zum Erliegen kommen und gleichzeitig sind all die lästigen Veranstaltungen gegen die herrschende Meinung der Regierung nur noch ein Relikt aus unser gerade noch freien Vergangenheit.

Konzerte oder Sportevents werden noch noch stattfinden, aber das Publikum sitzt zu Hause und beobachtet das Geschehen von der heimischen Couch – womöglich kostenlos, vom Staat gefördert. Einst beliebte Third Places wie Cafés werden gemieden, Restaurants werden zu Ghost Kitchens, die Kundinnen und Kunden mit Mahlzeiten nach höchsten hygienischen Standards beliefern. Insbesondere für Städter werden sich dann die sozialen Kontakte in den virtuellen Raum verlagern.

Je unsicherer die Zeiten, umso mehr Analyse wird verlangt. Das Sammeln und Verarbeiten großer Datenmengen erlebt ja schon jetzt einen kontinuierlichen Aufschwung. Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz wird forciert, nicht zuletzt für die Simulation von Krisenszenarien und die Steuerung von Krisen.

Folglich nimmt auch Cybercrime im staatlichen Auftrag zu – mit dem Ziel, die internationalen Konkurrenten zu schwächen. Nach innen nutzt der Staat schon jetzt immer mehr Technologie zur Überwachung, und in schon naher Zukunft wird auch dieses weiter und weiter präzensiert: Predictive Analytics, die datenbasierte Vorausberechnung menschlichen Verhaltens, wird in einer permanent verunsicherten Gesellschaft immer wichtiger.

Privacy ist dementsprechend stark im Rückzug. Die individuelle Datenfreiheit wird immer stärker eingeschränkt, Datenschutz wird größtenteils abgeschafft, sowohl im internationalen Austausch als auch im Umgang mit der eigenen Bevölkerung. Gesundheitsdaten werden zur Staatsangelegenheit – und die Bevölkerung macht mit, da das Vertrauen in die staatliche Vorsorge und Betreuung schon lange geschwunden ist. Immer mehr bauen Menschen auf gesundheitliche Eigenverantwortung, auf Digital Health, kontinuierliches Self Tracking und die Überwachung ihrer Vitalwerte durch Smart Devices, die persönliche Gesundheitsdaten jederzeit in die staatlichen Datenbanken einspeisen.

Und dann irgendwann vertrauen die Menschen den staatlichen Akteuren und supranationalen Bündnissen nicht mehr – und trauen ihnen auch keine Handlungsmacht mehr zu. Die Abkehr von der globalen Weltgemeinschaft mündet dann in eine partikularisierte Wir-Kultur und die vermehrte Bildung von Neo- Tribes. Gemeinschaft wird im Kleinen gesucht, denn im Zuge der Coronakrise ist der Trend zur Post-Individualisierung für eine breitere Masse attraktiv geworden.

Die Angst vor Ansteckung hat schon jetzt mehr und mehr einen Rückzug ins Private und die Wiederentdeckung der Häuslichkeit befeuert. Großveranstaltungen gibt es praktisch nicht mehr, dafür wird viel gestreamt, und in ein paar Monaten, wenn die Technik ausgereifter ist, kann man dann via Virtual-Reality an Mega-Events teilnehmen, ohne dabei das sichere Zuhause verlassen zu müssen.

Doch blicken wir einmal positiv in die nahe Zukunft:

Es ist wie es ist, und es bilden sich hier und dort kleine Säulen, die neu und doch so bekannt für uns sind:

Nachbarschaftshilfe wird großgeschrieben, es existieren mehr und mehr feste Strukturen, wie man sich im Krisenfall untereinander helfen kann. Vorräte werden geteilt oder getauscht, auf die Alten und Schwachen wird besondere Rücksicht genommen. Auch ziehen Menschen vermehrt aufs Land oder in kleinere Städte.

Statt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, wird immer mehr auf Fahrrad oder E-Roller umgestiegen. Fernreisen haben stark an Attraktivität verloren – im Gegensatz zu umliegenden Regionen oder Nachbarländern. Die massive De-Touristification führt dazu, dass sich ganze Landschaften und ehemalige Tourismus-Hotspots vom Overtourism erholen. Reisen ist nicht mehr selbstverständlich, sondern wird – wieder – als etwas Besonderes gesehen, auch weil es in Post-Corona-Zeiten eine Menge Vorsichtsmaßnahmen und viel Planung erfordert.

Menschen kaufen mehr denn je lokal, die Sharing-Economy gewinnt in regionalen Netzwerken stark an Auftrieb, traditionelle Handwerkstechniken erleben eine Renaissance. Urban-Farming und Genossenschaften lösen kapitalistische Konsummuster ab, in regionalen Gemeinschaften erwächst eine Ökonomie mit autonomen Ökosystemen. Konzepte wie Cradle to Cradle oder Postwachstum sind selbstverständlich in den Alltag der Menschen eingebettet – als ebenso gewünschte wie notwendige Praktiken. Die Wirtschaft funktioniert im Regionalen vollkommen autark.

Wird sich die Coronakrise  als überraschender Treiber von New-Work-Trends hin zu mehr Flexicurity erweisen?

Dadurch, dass Flexibilität am Arbeitsplatz aus der Not heraus breitflächig ermöglicht wurde, haben sich schon jetzt Arbeitskulturen dauerhaft verändert. Home-Office ist mittlerweile essenzieller Bestandteil jeder Unternehmenskultur, und es ist nur ein kleiner Schritt, weiterzudenken, was in den nächsten Monaten dann kommen wird:

Internationale Unternehmen vereinbaren Meetings in VR-Konferenzen, Verträge werden via Blockchain geschlossen. Digital-Health-Anwendungen errechnen schon im Vorhinein das mögliche Risiko persönlicher Geschäftsmeetings – von denen aber ohnehin meist abgeraten wird.

Es wäre schön, wenn die Weltgesellschaft aus der Krise lernen würde und resiliente, adaptive Systeme entwickelt. Gesellschaftliche Tiefenströmungen in Richtung Postwachstum, Wir- Kultur, Glokalisierung und Post-Individualisierung, die bereits vor der Krise existierten, werden durch die kollektive Corona-Erfahrung von der Nische in den Mainstream katapultiert.

Das Coronavirus könnte eine Selbstreinigung der Märkte anstoßen: eine kollektive Reflexion der Herkunft unserer Güter, die zu neuen Konsummustern anregen könnte. Der Ausfall globaler Produktions- und Handlungsketten könnte möglicherweise zu einer Wiederentdeckung heimischer Alternativen führen. Der stationäre Handel, regionale Produkte und Lieferketten würden einen Aufschwung erleben. So würde nicht nur eine sinnvolle Balance zwischen online und offline entstehen, sondern vor allem ein kluger Umgang mit globalisierten Handelsketten, ein Gleichgewicht von lokalem und globalem Handel und eine Blüte der DirectTrade- Plattformen. Dann boomen Wochenmärkte, regionale Erzeuger und lokale Online-Shops. Die Monopolstellung von Online-Händlern wie Amazon und Alibaba würde sich zugunsten mehrerer kleinerer Player auflösen, die weniger abhängig von globalen Produktionsketten und schneller lokal verfügbar sind. Die Gesellschaft bewegte sich weg von Massenkonsum und Wegwerf- Mentalität, hin zu einem gesünderen Wirtschaftssystem.

Corona könnte die Vision eines neuen holistischen Gesundheitsverständnisses wahr werden lassen:

Gesundheit wird nicht länger als etwas gesehen, das nur den individuellen Körper und das eigene Verhalten betrifft. Vielmehr wird Gesundheit ganzheitlicher betrachtet:

Umwelt, Stadt, Politik, Weltgemeinschaft – all das sind wichtige Faktoren für die menschliche Gesundheit. Weltgesundheit und individuelle Gesundheit werden zusammengedacht. Dieses neue Bewußtsein würde das gesamte Gesundheitssystem umkrempeln:

Regierungen, Stadtplanung und Unternehmen kooperieren, um gesunde Umwelten für alle zu schaffen. Die Nutzung von Digital- Health-Apps ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich geworden, um Gesundheitsdaten in Echtzeit anonymisiert zu teilen. Dank Predictive Health können so genaue Vorhersagen, etwa über die Wahrscheinlichkeiten einer Epidemie, getroffen werden, und allen ist dann klar:

Die individuelle Gesundheit kann nicht mehr entkoppelt von Umwelt und Gesellschaft gesehen werden.

Insgesamt würde sich die Menschheit seit der Pandemie stärker als globale Gemeinschaft wahrnehmen, die Herausforderungen gemeinsam lösen muss. Denn weder eine Epidemie noch die Klimakrise macht vor Nationalgrenzen halt. Es würde eine globale Identität entstanden sein, getragen von einem fundamentalen Wertewandel:

Solidarisierung und Wir-Kultur nicht nur mit den Nächsten, sondern auch auf internationaler und globaler Ebene.

Und so sieht dann die Zukunft aus – wohlgemerkt, eine Zukunft, die nicht erst in 20-30 Jahren kommen wird, sondern in den nächsten Monaten:

Die Coronakrise hat zu konkreten Learnings im supranationalen Umgang mit Big Data, Predictive Analytics und Frühwarnsystemen geführt. Künstliche Intelligenz wird nun konstruktiver eingesetzt:

nicht nur, um frühzeitig Epidemien einzudämmen, sondern zur Minimierung aller möglichen Risiken, die sich nicht um Landesgrenzen scheren. Jeder Mensch ist mit Health-Tracking-Devices ausgestattet, denn durch den globalen Austausch aktueller Gesundheitsdaten können Risiken frühzeitig erkannt werden. Das kontinuierliche Voneinander-Lernen in einer Vielzahl funktionierender Netzwerke schafft eine globale Resilienz. Dieser neue Spirit prägt auch die Medienlandschaft:

Konstruktiver Journalismus stellt Lösungsansätze in den Mittelpunkt, statt Alarmismus und Fake News zu verbreiten. Auch das trägt dazu bei, eine resiliente und adaptive Gesellschaft zu erhalten, die weiß, wie sie produktiv mit Krisen umgehen kann.

Puuh!

Schöne neue Welt!

Und dahin wollen wir?

Alles ist möglich, alles kann werden.

Wo wollen Sie hin?

Fragen Sie sich das, und vielleicht können wir einen Großteil des Weges gemeinsam gehen.